Die Kaffeemaschine fest umklammert
„Ich bin 40 und fahre BMX“, sagt Senad Grosic. „Wie absurd ist das?“ Von außen betrachtet: ein Rockstar-Leben. Shows, Reisen, Red Bull. In Wahrheit: Er steht um 5:50 auf, schleicht auf Zehenspitzen aus dem Schlafzimmer, trainiert eine Stunde in einer kalten Halle, und dann – das Wichtigste – hält er die Kaffeemaschine fest, während sie läuft. „Damit sie nicht so vibriert. Damit keiner aufwacht. Ich schwör’s.“
Diese 15 Minuten Kaffee in der Früh, sagt er, die braucht er. „Wie Energietanken. Und dann geht’s los.“
„Ich halte die Kaffeemaschine fest, damit sie nicht so vibriert. Damit keiner aufwacht. Ich schwör’s.“



Die beste Zeit
Lennox ist fünf. Und Senad weiß: Das ist jetzt. „Fünf Jahre sind wie im Flug vergangen. Wir haben nicht mehr so lang, bis sie uns vielleicht nicht mehr cool finden. Bis sie lieber mit ihren Freunden abhängen. Was ich verstehe – das ist normal.“
„Fünf Jahre sind wie im Flug vergangen. Die Zeit, die wir jetzt haben, ist die beste Zeit bis jetzt.“
Sie spielen gemeinsam PlayStation – Lightning McQueen.
Senad verliert absichtlich. „Das kennst du, oder? Beim Raufen verliere ich auch immer.“ Sie fahren gemeinsam Rad, suchen Schnecken im Garten, werfen Steine ins Wasser. „Für das brauche ich kein Geld.“



Wieder dumm werden
Was ihn am meisten überrascht hat? „Dass ich wieder dumm werde. Wieder jung. Dass ich Sachen mache, die ich als Erwachsener nie gemacht hätte.“
Das Spielen mit dem eigenen Sohn, sagt er, ist ein Re-Learning. „Kinder freuen sich noch richtig. Denen ist wurscht, ob jemand zuschaut. Die zucken einfach aus, wenn irgendwas geil ist. Und das lerne ich gerade wieder.“
Die Angst, die schlimmer ist
Aber da ist auch die Angst. Senad kennt jeden Sturz, den es gibt.
Er hat Leute Stufen runterfallen sehen, hat sich selbst tausendmal hingelegt. „Und wenn ich dann meinen Sohn im Skatepark sehe, sehe ich schon, was passieren kann. Ich sehe seine Gewichtsverlagerung und denke: Oh mein Gott, das wird jetzt wehtun.“
Andere Väter, sagt er, haben diese Bilder nicht im Kopf. „Ich schon. Und das macht es schlimmer, nicht besser.“
„Kinder freuen sich noch richtig. Denen ist wurscht, ob jemand zuschaut. Die zucken einfach aus, wenn irgendwas geil ist.“

Mein Leben verändert
Am Ende wird reden für Senad schwierig.
Die Frage, was Lennox einmal über ihn sagen soll, trifft. „Ich bin selber auf die Antwort gespannt“, sagt er leise. „Aber ich werde mein Bestes geben, dass sie positiv ausfällt.“
Und dann, als Botschaft für seinen Sohn:
„Du hast mein Leben verändert. Im Positiven. Für immer. In die bestmögliche Richtung. Danke dafür.“