Als mein Sohn mit fast fünf Jahren plötzlich schwer krank wurde und wochenlang auf der Intensivstation lag, habe ich zum ersten Mal verstanden, was Eltern meinen, wenn sie sagen: Sterben ist nicht mehr das Schlimmste, das man sich vorstellen kann.
In diesen Wochen ist etwas in mir aufgebrochen. Und als ich danach mit anderen Vätern darüber gesprochen habe – wirklich sprechen, nicht nur Smalltalk – habe ich gemerkt: Wir können das nicht so gut.
Mütter tauschen sich seit jeher aus. Sie haben Netzwerke, Gespräche, eine Sprache für das, was sie durchmachen. Väter stehen da oft daneben. Nicken. Nicht weil sie nichts fühlen. Sondern weil ihnen nie jemand gezeigt hat, wie das geht.
Die alten Vorbilder verschwinden. Vieles davon aus gutem Grund. Der Vater, der arbeitet und abends die Zeitung liest. Der nur am Wochenende anwesend ist. Der stark sein muss und keine Schwäche zeigt.
Dieses Bild trägt nicht mehr – aber was kommt danach?
Auch wenn vieles an den alten Rollenbildern nicht gut war und zurecht nicht mehr gewollt ist, für Kinder ist es wichtig, dass sie von Klarheit und Stabilität umgeben sind.
Wir sind eine Generation von Vätern, die ihr Rollenbild neu erfinden muss. Und das schafft Verwirrung. Für die Väter und somit auch für die Kinder. Wir suchen.
Ohne Vorlage.
Ohne Anleitung.
Und oft ohne jemanden, mit dem wir ehrlich darüber reden können.
Dabei passiert in uns genauso viel wie in den Müttern unserer Kinder.
Wir haben Angst.
Wir sind überfordert.
Wir lieben so stark, dass es wehtut.
Wir machen Fehler und wissen nicht, ob wir sie je wieder gutmachen können.
Wir erleben Momente von Glück, die uns die Sprache verschlagen.
Aber oft glauben wir mit vielem davon allein zu sein.







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Aktueller Stand 2026: 33 Gespräche. Die ganze Bandbreite.
2018 habe ich angefangen, Väter zu fotografieren und dabei mit ihnen zu sprechen. Nicht über Fußball oder Arbeit. Sondern über das, was wirklich ist.
Über Tränen und Lachen im selben Moment.
Über Ängste, die man nachts hat.
Über Stolz, Scham, Überforderung, Zärtlichkeit, Verwirrung, Planlosigkeit,…
Was dabei entstanden ist, hat mich selbst überrascht: Männer, die sich öffnen. Die Dinge aussprechen, die sie noch nie jemandem gesagt haben. Die weinen, während sie erzählen – und danach sagen: Das hat gutgetan.
Eines meiner ersten Gespräche (bei dem ich zu Beginn dachte, das wird vermutlich „kühl“, ein eher „trockener“ Typ) endete mit Tränen von uns beiden und einem Mann den ich seit 2 Stunden kannte, der mich umarmte und sagte „Ich bin seit 25 Jahren Vater, aber so hab ich noch nie mit jemandem darüber geredet. Danke, das hat gut getan“.
Auch die Resonanz auf die ersten Portraits war überwältigend.
Nicht nur von Vätern, die sich verstanden fühlen.
Auch von Frauen, die sagen: Endlich sehe ich mal, was in euch vorgeht.
Und das mediale Interesse kam auf der Stelle.
Dieses Projekt will dir nicht sagen, wie du ein guter Vater wirst.
Es gibt kein Rezept und niemand will dir das hier einreden. Jedes Kind ist anders, jeder Vater ist anders, jede Familie findet ihren eigenen Weg.
Was du hier findest, sind Einblicke.
Denkweisen.
Erfahrungen von Vätern, deren Kinder gerade geboren wurden, und von solchen, deren Kinder längst erwachsen sind.
Manche Geschichten werden dich berühren. Manche werden dich zum Nachdenken bringen. Und vielleicht findest du in manchen einen Gedanken, der dir hilft, wenn du dich gerade verloren fühlst.
Das ist alles, was ich mir wünsche: Dass dieses Projekt ein Ort wird, an dem Väter sich verstanden fühlen.
An dem es okay ist, nicht alles zu wissen.
An dem Verletzlichkeit keine Schwäche ist, sondern Stärke.
Ich bin Christian Anderl, Fotograf und selbst Vater von zwei Jungs, heute zwölf und fünf Jahre alt. Dieses Projekt habe ich begonnen, als mein Ältester auf der Intensivstation lag und ich gemerkt habe, dass wir als Väter funktionieren, aber uns wenig austauschen.
2020 musste ich das Projekt pausieren. Erst die Pandemie, dann ein Motorradunfall, dann Scheidung… Das Leben hat dazwischengefunkt, wie es das manchmal tut.
Jetzt starte ich wieder. Weil dieses Projekt noch nicht fertig ist. Weil es noch so viele Geschichten gibt, die erzählt werden wollen. Und weil ich glaube, dass wir Väter diese Gespräche brauchen – miteinander und mit uns selbst.
Und manchmal tut zuhören und bemerken, dass man mit vielen Themen nicht allein ist, wie andere damit umgehen usw. schon gut.
Meine Vision ist ein Buch. 100 Portraits. 100 Gespräche. Sortiert nach dem Alter der Kinder – vom frischgebackenen Vater eines Neugeborenen bis zum Mann, dessen Kinder längst selbst Eltern sind.
Ein Buch, das man einem (werdenden) Vater schenkt.
Nicht als Erziehungsratgeber mit Regeln und Vorschriften.
Sondern als Sammlung von Stimmen.
Von Männern, die diesen Weg schon gegangen sind und ehrlich erzählen, wie es sich anfühlt.
Der Anspruch ist nicht „die Lösung“ zu liefern, sondern eine Platform zu bieten. Weil nur der offene, ehrliche und tiefgründige Austausch Schritt für Schritt zu dieser Entwicklung beitragen kann.
Diese Prozess ist kein Soloprogramm, das ist ein Teamsport.
Wenn du selbst Vater bist und deine Geschichte teilen möchtest – Wir öffnen demnächst wieder die Anmeldung für Studiotermine.
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