Gerald Fleischhacker

48,

Moderator, Kabarettist,

♀︎4 ♂︎11

Portraits & Gespräch: Februar 2018

Luftballontiere

„Scheiße, ich muss alles wissen“, dachte Gerald Fleischhacker, als sein Sohn Nuno auf die Welt kam. „Der wird mich alles fragen.“ Also kaufte er sich Luftballons. „Weil bei Kindergeburtstagen – da muss man Luftballontiere bauen können.“

Heute kann er Hund, Schwert, sitzenden Hasen und Papagei im Ring. Aber das, was er wirklich gelernt hat als Vater: Man muss nicht alles wissen. „Das war die Illusion damals.“

„Ich habe Luftballontiere bauen gelernt, weil ich dachte, als Vater muss man alles wissen. Das war die Illusion damals.“

Die Wahrheit über das zweite Kind

Gerald hat zwei Kinder: Nuno, fast elf, und Lila, vier. Sieben Jahre Abstand. „Du hast halt, es geht halt einfach alles von vorn wieder los. Und man ist älter.“

Was ihn am meisten überrascht hat: wie unehrlich andere Eltern sind. „Alle, die mir erzählt haben – das war immer nur alles schön und alles super. Aber es ist nicht immer nur super. Es ist ganz oft auch irrsinnig anstrengend.“ Die Liebe steigert sich, sagen alle. Stimmt. Aber es ist auch das zweite Mal. Und beim zweiten Mal ist es anders.

„Es ist nicht immer nur super. Es ist ganz oft auch irrsinnig anstrengend. Darüber redet nur keiner.“

Sie triggert mich

Die Lila ist „ein Bam-Pam“, sagt Gerald. Ein Wirbelwind mit massivem eigenen Willen. „Die kann mit vier Jahren Sachen, die der Nuno bei mir noch nie geschafft hat – dass ich ausfliege. Der hätte mit sechs auch kommen können, dieser Wille, und er muss nicht mit vier schon da sein.“

Interessanterweise triggert sie ihn. Und Nuno triggert die Mutter. „Ist das eine Geschlechtersache? Keine Ahnung.“

„Du bist 40? Ist mir egal, du bleibst bei mir.“

Der Flughafen

Einmal, am Flughafen in Singapur, hat Gerald seinen Sohn verloren. Nur für Minuten. Aber es hat gereicht. „Der war nicht da und ich habe angefangen zu schreien. Da gibt es keine Zurückhaltung mehr. Du schreist einfach, wo ist mein Kind?“

Den ganzen Flug danach hat er sich gegeißelt. „Alter, du bist zu deppert, dass du am Häusl auf dein Kind aufpasst.“

Und seitdem, egal ob Nuno elf ist: „Du bleibst bei mir. Du bist 40? Ist mir egal.“

„Du willst der beste Haberer von deinem Kind sein. Aber du kannst das nicht. Es ist nicht deine Aufgabe.“

Weder Freund noch Fremder

Die Frage, die ihn am meisten beschäftigt: Wie ist man gleichzeitig Freund und Respektperson? „Du willst der beste Haberer von deinem Kind sein. Aber du kannst das nicht. Es ist nicht deine Aufgabe.“

Er ist streng bei bestimmten Dingen – gemeinsam essen, gemeinsam aufhören. Aber das Wichtigste ist etwas anderes: „Ich muss einfach sagen können: Bleib stehen. Und dann funktioniert das. Er hört auf mich. Das ist manchmal überlebensnotwendig.“

Am Ende die Frage, was seine Kinder einmal über ihn sagen sollen:

„Wir haben viel Spaß gehabt. Und er hat gut gekocht.“

Es geht weiter ...

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Christian Anderl Portrait

Wer macht das und warum?

Ich bin Christian Anderl. Fotograf und Vater von zwei Jungs (aktuell 12 und 5 Jahre alt).

Dieses Projekt begann, als mein ältester Sohn auf der Intensivstation lag und ich merkte: Väter sind nicht so geübt wie Mütter, wenn es darum geht sich über ihr Elterndasein auszutauschen.

Deshalb fotografiere ich Väter und spreche währenddessen mit ihnen über das, was sie bewegt. 

Die Mission: 100 Portraits für ein Buch – sortiert nach dem Alter der Kinder. Ein perfektes Geschenk für werdende Väter. Und alle, die gern über das Thema Vaterschaft reflektieren.

Keine Ratschläge. Nur Optionen und Emotionen.

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