„Der Bub ist 23 – hört er das gern, wenn ich ihn so nenne? Ich weiß es nicht. Ich hab ihn nicht gefragt.“
Es ist egal, wie alt sie werden
Christian Lanius, 53, Immobilientreuhänder aus Wien, lacht kurz. Dann wird er nachdenklich. „Ich glaube, Kinder bleiben, bis sie selber 70 sind und man 95 ist, immer noch die Kinder und die Buben und die Mädels.“
Drei Kinder hat Christian. Alle komplett unterschiedlich, sagt er. Und mit jedem eine eigene Geschichte.
Irland als Rettung
Mit seinem Ältesten, Philipp, gab es Jahre, in denen alles schiefzulaufen drohte. „Wie im Lehrbuch“, sagt Christian nüchtern. Schule nicht perfekt, Lehrer „saudeppert“, ein System, in das der Junge nicht passte.
Dann der 18. Bezirk, das Wohlstandsverwahrloste – Xbox, Alkohol, Gras. „Es geht immer der Dodel zum Dodel“, sagt er.
Die Negativspirale drohte.
Die Lösung kam radikal: zwei Jahre Internat in Irland. „Wir haben gemeinsam erkannt, das wird so nichts mehr.“
Was als Notbremse begann, wurde unerwartet schön. Bei diesen irischen Internaten muss man alle sechs Wochen raus – und weil die Flugzeiten ungünstig waren, flog Christian oft hin. Gemeinsame Wochenenden in einer Pension am Meer, gut essen, gut trinken, reden. „Das war eine ganz tolle Zeit.“
Kein Standardprodukt
Heute ist Philipp Skilehrer, will Outdoor-Pädagogik machen, fliegt für drei Monate nach Thailand klettern. „Ein sensationeller Weg“, sagt Christian, „der für einen konservativen Vater wie mich eine Zeit lang gebraucht hat, bis ich das akzeptiert habe. Das ist kein Standardprodukt.“
Was er über sich gelernt hat? „Dass ich wahrscheinlich in vielen Dingen zu strikt war, zu besserwisserisch. Dass man viel konzilianter sein muss.“ Ein Learning, das bis heute anhält, sagt er.
Wahnsinniger Familienzusammenhalt
Worauf er stolz ist? „Dass wir einen wahnsinnigen Familienzusammenhalt haben. Die drei Geschwister, so unterschiedlich sie sind – unglaublich eng und harmonisch.“ Er entschuldigt sich, wenn er über die Stränge schlägt. „Nicht wahnsinnig oft, aber immer wieder.“ Seine Kinder fordern das auch ein.
Das Unausgesprochene
Am Ende wird Christian still. Die Frage, ob seine Kinder wissen, wie emotional ihn die Vaterschaft macht, trifft etwas. „Das kennen sie sicherlich nicht“, sagt er leise. Nicht in der „epischen Breite“, wie er es hier erzählt hat.
„Wann spricht man es aus? Also nicht nur den Kindern gegenüber, sondern auch sich selber das in Worte zu fassen – das tut man nie. Eigentlich. Ohne Anlass oder ohne Frage.“
Und dann, als letzte Botschaft für seine Kinder: „In a Nutshell – dass ich sie unendlich liebe.“