„Wenn du mir nicht vermitteln kannst, dass mein Kind etwas gut macht – was willst du ihr dann vermitteln?“
30 Minuten lang nur das Negative
„Ich bin zum Elternsprechtag gegangen“, erzählt Christoph Riedner, 41, Kommunikationsmanager bei Red Bull, „und die Lehrerin hat mir 30 Minuten lang nur erzählt, was meine Tochter nicht kann.“
Dass Emilia irrsinnig gern zeichnet, gut schreibt, viel liest – kein Wort.
Stattdessen: Die Abstände zwischen den Buchstaben seien zu groß. „Da war für mich der Punkt erreicht. Wenn du mir nicht vermitteln kannst, dass mein Kind etwas gut macht, was willst du ihr dann vermitteln?“
Nach zwei Monaten Privatschule kam die Diagnose: Dyskalkulie, Rechenschwäche. Christoph ließ einen Mentaltest machen. Das Ergebnis: Emilia war in Mathematik besser als 85% der Kinder in ihrem Alter.
Er zog die Reißleine, nahm sie aus der Schule.
Wenn du mir nicht vermitteln kannst, dass mein Kind etwas gut macht, was willst du ihr dann vermitteln?



Bauchschmerzen in der Früh
„Das Schlimmste ist, wenn ein Kind Bauchschmerzen bekommt, bevor es in die Schule muss“, sagt Christoph. „Das bricht dir als Elternteil das Herz.“
Emilia geht jetzt in eine öffentliche Schule mit Lerngruppen und projektbezogenem Unterricht. Es läuft besser.
Aber die Erfahrung hat ihn verändert:
„Ich habe diese alternativen Schulsysteme anfangs gar nicht so gut gefunden. Mittlerweile muss ich sagen – vielleicht ist das doch nicht so schlecht, was die dort machen.“
Kinder dürfen auf die Schnauze fallen
Christoph beobachtet Eltern am Spielplatz, die am Kletterturm oben hängen, damit dem Kind nichts passiert. „Kinder können schon mal auf die Schnauze fallen, um was zu lernen“, sagt er. „Kleine Kratzer haben noch keinem geschadet.“
Er erzählt von einem Väter-Urlaub am Grundlsee. Vier Väter, vier Kinder, eine Woche. Die Väter haben sich komplett rausgenommen. Die Kinder hatten ihr eigenes Areal, haben Feuer gemacht, sind geklettert, haben gelesen.
„Es war irrsinnig schön zu sehen, wie die sich selbst befruchten. Der eine, der sich anfangs nicht runtergetraut hat, ist am dritten Tag runtergekupft wie alle anderen.“



Das Versprechen im Krankenhaus
Emilia kam per Kaiserschnitt zur Welt. Während die Mutter noch im Aufwachraum war, machte Christoph alles mit. Waschen, Wiegen, die ersten Stunden.
„Wir sind durchs Krankenhaus gefahren, sie hat mich mit großen Augen angeschaut. Und ich habe ihr versprochen: Ich werde mein Leben lang nur darauf schauen, dass es dir gut geht und dass alle deine Wünsche in Erfüllung gehen.“
Ein Versprechen, sagt er, das man als Vater gibt. Ob man es ausspricht oder nicht.
Ein glückliches Kind
Was er sich wünscht? „Dass sie zurückschaut und gerne auf ihre Kindheit zurückblickt. Dass sie einfach ein glückliches Kind war.“ Und dass seine Grenzen fair waren.
„Ich hoffe, dass diese Grenzen auch was gebracht haben. Und dass ich ihr auf diesem Weg ein bisschen was mitgeben hab können.“