„Hätte ich gewusst, was in der Pubertät auf mich zukommt, hätte ich es nicht gemacht. Im Nachhinein bin ich irre froh, dass ich es gemacht habe. Ist bei vielen Dingen so.“
Du bist ja nicht mein Vater
„Er hat mich adoptiert“, sagt Richard Friedl über seinen Sohn Dominik. Nicht umgekehrt.
Dominik war sieben, als Richard in sein Leben kam. Sein leiblicher Vater lebte im Ausland, kein Kontakt. „Nach ein paar Monaten hat er offensichtlich einen Platz ausgefüllt, der frei war aus seiner Sicht.“
Das Erstaunliche: In all den Jahren – Pubertät, Streit, Rebellion – hat Dominik nie diese legendären Worte gesagt: „Du bist ja nicht mein Vater.“ Nie. „Das geht sogar so weit, dass alle Leute, die uns nicht so gut kennen, sagen: Ganz der Papa, der Sohn.
Die sehen Ähnlichkeiten, wo wahrscheinlich gar keine sind.“
„Er hat mich adoptiert. Nicht umgekehrt. Nach ein paar Monaten hat er offensichtlich einen Platz ausgefüllt, der frei war.“



Du bist zu dumm
Die härteste Zeit war die Schule. Eine Lehrerin im Gymnasium Stockerau hat Dominik gesagt: „Du bist zu dumm.“ Hat ihm einen Fünfer in Mathematik reingeschrieben. Dominik hätte wiederholen müssen.
„Wir haben viel zu lange gewartet, ihn von dieser Schule wegzunehmen“, sagt Richard.
Dann der Schulwechsel nach Wien. Andere Schule, anderer Lehrplan. „Da hat er den Stoff der Unterstufenmathematik in einem halben Jahr erledigt. Weil er es nämlich gut kann, wenn man ihn lässt.“
Die Lektion: „Wir hätten ihn viel früher ernst nehmen müssen, wie er uns geklagt hat über die Schule.“
„Konsequent sein heißt: Wenn ich mich geirrt habe, gestehe ich den Fehler ein.“



ADHS
Dominik hat ADHS. „Das war lange ein Thema“, sagt Richard. Er selbst ist das Gegenteil von hyperaktiv – ruhig, macht gern eins nach dem anderen. „Und dann jemanden zu haben, der alles gleichzeitig macht – da habe ich mich auch schwergetan.“
Was er gelernt hat: „Man muss sich zuerst diagnostizieren lassen und dann einen Weg überlegen, wie man damit lebt. Ob mit Medikation oder ohne – muss man selbst herausfinden.“
Immer zu zweit gegen ihn
Nach der Pubertät hat Dominik seinen Eltern etwas gesagt, das Richard zum Nachdenken gebracht hat: „Ihr seid immer zusammen gegen mich aufgetreten.“ Er hätte sich gewünscht, dass wenigstens einer mal mit ihm solidarisch gewesen wäre.
„Und da habe ich nachgedacht, warum das eigentlich nicht so war. Vielleicht war das ein Einzelkind-Thema. Ich hatte immer eine Schwester, mit der ich mich solidarisieren konnte. Er hatte das nicht.“
Bleib gelassen
Am Ende die Frage, was Richard seinem Sohn als Botschaft mitgeben würde: „Bleib gelassen.“
Und was Dominik wahrscheinlich über ihn sagen würde? „Dass ich manchmal zu angeschissen war. Dass er sich gewünscht hätte, dass ich alles ein bisschen lockerer sehe. Weil eigentlich ist ja eh alles gut gegangen.“