Richard Friedl

49,

Universitätslektor, Unternehmer, Autor,

♂︎26

Portraits & Gespräch: Februar 2019

„Hätte ich gewusst, was in der Pubertät auf mich zukommt, hätte ich es nicht gemacht. Im Nachhinein bin ich irre froh, dass ich es gemacht habe. Ist bei vielen Dingen so.“

Du bist ja nicht mein Vater

„Er hat mich adoptiert“, sagt Richard Friedl über seinen Sohn Dominik. Nicht umgekehrt.

Dominik war sieben, als Richard in sein Leben kam. Sein leiblicher Vater lebte im Ausland, kein Kontakt. „Nach ein paar Monaten hat er offensichtlich einen Platz ausgefüllt, der frei war aus seiner Sicht.“

Das Erstaunliche: In all den Jahren – Pubertät, Streit, Rebellion – hat Dominik nie diese legendären Worte gesagt: „Du bist ja nicht mein Vater.“ Nie. „Das geht sogar so weit, dass alle Leute, die uns nicht so gut kennen, sagen: Ganz der Papa, der Sohn.

Die sehen Ähnlichkeiten, wo wahrscheinlich gar keine sind.“

„Er hat mich adoptiert. Nicht umgekehrt. Nach ein paar Monaten hat er offensichtlich einen Platz ausgefüllt, der frei war.“

Du bist zu dumm

Die härteste Zeit war die Schule. Eine Lehrerin im Gymnasium Stockerau hat Dominik gesagt: „Du bist zu dumm.“ Hat ihm einen Fünfer in Mathematik reingeschrieben. Dominik hätte wiederholen müssen.

„Wir haben viel zu lange gewartet, ihn von dieser Schule wegzunehmen“, sagt Richard.

Dann der Schulwechsel nach Wien. Andere Schule, anderer Lehrplan. „Da hat er den Stoff der Unterstufenmathematik in einem halben Jahr erledigt. Weil er es nämlich gut kann, wenn man ihn lässt.“

Die Lektion: „Wir hätten ihn viel früher ernst nehmen müssen, wie er uns geklagt hat über die Schule.“

„Konsequent sein heißt: Wenn ich mich geirrt habe, gestehe ich den Fehler ein.“

ADHS

Dominik hat ADHS. „Das war lange ein Thema“, sagt Richard. Er selbst ist das Gegenteil von hyperaktiv – ruhig, macht gern eins nach dem anderen. „Und dann jemanden zu haben, der alles gleichzeitig macht – da habe ich mich auch schwergetan.“

Was er gelernt hat: „Man muss sich zuerst diagnostizieren lassen und dann einen Weg überlegen, wie man damit lebt. Ob mit Medikation oder ohne – muss man selbst herausfinden.“

Immer zu zweit gegen ihn

Nach der Pubertät hat Dominik seinen Eltern etwas gesagt, das Richard zum Nachdenken gebracht hat: „Ihr seid immer zusammen gegen mich aufgetreten.“ Er hätte sich gewünscht, dass wenigstens einer mal mit ihm solidarisch gewesen wäre.

„Und da habe ich nachgedacht, warum das eigentlich nicht so war. Vielleicht war das ein Einzelkind-Thema. Ich hatte immer eine Schwester, mit der ich mich solidarisieren konnte. Er hatte das nicht.“

Bleib gelassen

Am Ende die Frage, was Richard seinem Sohn als Botschaft mitgeben würde: „Bleib gelassen.“

Und was Dominik wahrscheinlich über ihn sagen würde? „Dass ich manchmal zu angeschissen war. Dass er sich gewünscht hätte, dass ich alles ein bisschen lockerer sehe. Weil eigentlich ist ja eh alles gut gegangen.“

Es geht weiter ...

Wir veröffentlichen regelmässig neue Väter Portraits & Interviews. Lass dich über Neuzugänge und neue Studiotermine (falls du dabei sein möchtest) benachrichtigen. Und hol dir die Info, wenn das Buch (limitiert) verfügbar ist.

Mehr Portraits & Interviews

Christoph Rietner

41
♀︎7

Man muss sein Kind vor einem System schützen, das nur sieht, was es nicht kann.

Thomas Kamenar

39
♀︎3 ♂︎1

Man befasst sich immer mehr, wenn man wirklich Kinder hat, mit dem eigenen Tod.

Senad Grosic

40
♂︎5

Wir haben nicht mehr so lang, bis sie uns vielleicht nicht mehr cool finden.

Christian Anderl Portrait

Wer macht das und warum?

Ich bin Christian Anderl. Fotograf und Vater von zwei Jungs (aktuell 12 und 5 Jahre alt).

Dieses Projekt begann, als mein ältester Sohn auf der Intensivstation lag und ich merkte: Väter sind nicht so geübt wie Mütter, wenn es darum geht sich über ihr Elterndasein auszutauschen.

Deshalb fotografiere ich Väter und spreche währenddessen mit ihnen über das, was sie bewegt. 

Die Mission: 100 Portraits für ein Buch – sortiert nach dem Alter der Kinder. Ein perfektes Geschenk für werdende Väter. Und alle, die gern über das Thema Vaterschaft reflektieren.

Keine Ratschläge. Nur Optionen und Emotionen.

Nicht verpassen!

Wir informieren dich, sobald neue Portraits und Interviews online sind und wenn das Buch (limitierte Auflage) dazu fertig ist.