Michael Gstöttner

36,

Model,

♀︎5

Portraits & Gespräch: Februar 2019

„Ich möchte nicht durch die Welt gehen und denken, das ist gefährlich, das ist gefährlich. Ich möchte ihr das Gefühl geben, dass sie vorsichtig durchs Leben geht – aber ohne Angst.“

500 Mal den Ball schießen

Michael Gstöttner ist Model. Seine Tochter ist fünf. Und sie haben zusammen einen Werbespot gedreht.

„Sie war total schüchtern, aber sie hat alles super gemacht“, erzählt Michael. „Das Problem war: Erklär mal einem Fünfjährigen, warum sie 500 Mal den Ball schießen muss, wenn es nach dem ersten Mal schon geheißen hat, das war super.“

Es gab ein kurzes Zögern. Aber sie hat durchgezogen. „Ich bin tausend Prozent stolz auf sie.“

„Wenn es heißt, in fünf Minuten gehen wir, dann geht man halt nicht in fünf Minuten, sondern in fünfzehn.“

Kinder brauchen Zeit

Als seine Tochter auf die Welt kam, wussten sie lange nicht, dass sie Eltern werden. „Es hat sich bei meiner Freundin nicht so bemerkbar gemacht.“ Dann ging alles schnell.

„Wir haben uns wenig vorbereitet. Keine Geburtsvorbereitungskurse, kein Mutter-Kind-Turnen. Und am Anfang war es eigentlich schön.“

Das Schwierigste: Die neue Zeitrechnung. „Wenn es heißt, in fünf Minuten gehen wir, dann geht man halt nicht in fünf Minuten, sondern in fünfzehn.“ Irgendwann hat er aufgehört, auf die Uhr zu schauen. „Kinder brauchen ihre Zeit. Und ich finde es wichtig, dass man ihnen nicht jeden Tag in der Früh das Gefühl vermittelt, dass man total im Stress ist.“

Der Vierer, der ein Geschenk war

Die Schule kommt. Michael hat gemischte Gefühle – aus eigener Erfahrung.

„In der Unterstufe hatte ich einen Mathelehrer, mit dem ich nicht zurechtgekommen bin. 5, 5, 5, Zwischenprüfung, 5 – und trotzdem einen Vierer bekommen. Unter der Voraussetzung, dass ich die Schule verlasse.“

Er wechselte. Andere Schule, anderer Lehrer, Mathematik: Zweier.

„Meine Mutter hat dem alten Lehrer einen Brief geschrieben mit dem neuen Zeugnis. Seine Antwort: Sehen Sie, das war die gute Vorbereitung von mir.“

Keine Szenarien

Andere Väter malen sich Worst-Case-Szenarien aus. Michael nicht.

„Ich möchte nicht durch die Welt gehen und denken, das ist gefährlich, das ist gefährlich. Ich möchte ihr nicht das Gefühl vermitteln, dass alles gefährlich ist. Sondern dass sie vorsichtig durchs Leben geht, aber ohne Angst.“

Nur ein Thema lässt ihn nicht los: „Ich glaube, sie darf erst mit 30 alleine fortgehen. Also von dem fürchte ich mich schon.“

„Es sind Phasen, die vergehen. Und wenn sie zu uns ins Bett kommen möchte, dann kommt sie. In zwei Jahren will sie es eh nicht mehr. Und dann werde ich es vermissen.“

Die süßeste Phase

„Wir wollten schon, als sie eins war, ein Mittel geben, dass sie nicht mehr wächst“, sagt Michael. „Weil sie so klein und süß war. Mit zwei war es das Gleiche. Und jetzt ist es wieder die süßeste Phase.“

Was er vermissen wird? „Das Kuscheln. Dieses Kindliche. Aber ich werde keinen Grund geben, dass sie in 20 Jahren was Negatives über mich sagt.“

Was seine Tochter kürzlich gefragt hat:

„Wenn ich dann ein Baby habe – muss ich mir dann einen eigenen Papa suchen? Oder kann ich dich behalten?“

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Wer macht das und warum?

Ich bin Christian Anderl. Fotograf und Vater von zwei Jungs (aktuell 12 und 5 Jahre alt).

Dieses Projekt begann, als mein ältester Sohn auf der Intensivstation lag und ich merkte: Väter sind nicht so geübt wie Mütter, wenn es darum geht sich über ihr Elterndasein auszutauschen.

Deshalb fotografiere ich Väter und spreche währenddessen mit ihnen über das, was sie bewegt. 

Die Mission: 100 Portraits für ein Buch – sortiert nach dem Alter der Kinder. Ein perfektes Geschenk für werdende Väter. Und alle, die gern über das Thema Vaterschaft reflektieren.

Keine Ratschläge. Nur Optionen und Emotionen.

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