„Wir sind total am Schwimmen. Das wird wahrscheinlich noch zwei, drei Generationen brauchen.“
Ein schöner Unfall mit Konsequenzen
So beschreibt Manuel Rubey, 39, Schauspieler und Kabarettist, die Ankunft seiner ersten Tochter.
Mit 27 wurde er ungeplant Vater – „ein Unfall“, sagt er offen. „Ich wäre wahrscheinlich immer noch nicht reif genug für mein Selbstverständnis.“ Zwölf Jahre später, kann er sich ein Leben ohne seine beiden Töchter nicht mehr vorstellen.
Zu früh, aber herzlich willkommen
1100 Gramm
Die Anfänge waren dramatisch. Beide Mädchen kamen als Frühchen zur Welt – in der 31. und 29. Woche. Seine jüngere Tochter wog bei der Geburt 1100 Gramm.
Sechs Wochen Intensivstation, Herztonmessungen zu Hause, jahrelange Albträume von den Kurven auf dem Monitor. „Ich feiere die Schulmedizin“, sagt Manuel, „weil ohne sie würden meine Kinder einfach nicht leben.“



„Wenn ich da in Kindergruppen oder mit dem Tragerl am Spielplatz war, dann war das immer: „Boah, ist das toll.“ Da merkt man, wie weit wir noch nicht sind – welche Mutter wird abgefeiert, weil sie mit zwei Kindern am Spielplatz rumsteht?“
Das Weichei als Rebellion
Was ihn als Vater ausmacht?
Er nennt sich selbst ein „Weichei“ und meint das positiv.
„Wir waren so irrsinnig gefühlig, wir haben immer über unsere Emotionen geredet“, erzählt er über sich und seine engsten Freunde. Eine bewusste Rebellion gegen die Generation seiner Eltern, wo „das höchste Kompliment war: Das ist nicht alles, was du machst.“



Wohin mit der Angst?
Als Vater zweier Töchter treibt ihn anderes um: die Angst vor dem, was da draußen wartet. „Wohin mit der Angst?“, fragt er.
Der Spagat zwischen dem Wunsch, sie zu selbstbewussten Menschen zu erziehen und dem Wissen, dass elfjährige Jungs längst Pornos schauen. „Wenn ich mir vorstelle, was dabei rauskommt, wird mir schwarz vor Augen.“
„Mein Beruf ist so unstet und ungreifbar, dass ich zu Hause totale Ordnung brauche, sonst spüre ich nichtsmehr.“

Wir schwimmen alle
Auf die Frage, ob es eine neue Generation von Vätern gibt, antwortet er ehrlich: „Wir sind total am Schwimmen. Das wird wahrscheinlich noch zwei, drei Generationen brauchen.“ Aber vielleicht ist genau das der Fortschritt – das Eingeständnis, dass niemand weiß, wie es geht.
Letzte Worte?
Wenn deine Kinder das hier in ein paar Jahren hören, vielleicht wenn du garnicht mehr da bist, was sollen sie von dir hören?
„Ich will ihnen nur sagen, dass ich sie super finde. Und dass ich jeden Tag von euch lerne. Und natürlich haben wir einiges ziemlich vergeigt. Aber nicht alles. Hoffentlich.“