Filip Kisiel

37,

Gesundheitsmanagement,

♀︎4

Portraits & Gespräch: Februar 2019

Liebe vor dem ersten Blick

„Was bedeutet Vaterschaft?“, hat sich Filip Kisiel gefragt, als er sich auf dieses Gespräch vorbereitet hat.

Seine Antwort: „Das ist Liebe vor dem ersten Blick. Nicht Liebe auf den ersten Blick. Das beginnt ja schon viel früher. Du siehst einen Punkt auf dem Ultraschall-Bild, und da beginnt schon eine Bindung.“

„Du siehst einen Punkt auf dem Ultraschall-Bild, und da beginnt schon eine Bindung.“

Seine Tochter Philippa ist vier. Den Namen hat sie dem Geburtsgewicht zu verdanken: Unter 3,5 Kilo Philippa, darüber Stella. Sie hatte 3.450 Gramm.

Der erste Schrei

Filip hat den ersten Schrei seiner Tochter aufgenommen. Als Sprachmemo. „Die Idee habe ich mir von einem Freund geklaut. Das möchte ich ihr irgendwann vorspielen.“

Aber er geht noch weiter: Er hat einen E-Mail-Account für Philippa eingerichtet.

„Ich schreibe quasi Tagebuch. Wenn wir einen schönen Urlaub hatten, poste ich Fotos und schreibe, was wir erlebt haben. Alle zwei Monate ungefähr. Und irgendwann, mit 18, möchte ich ihr das geben.“

Die neue Angst

„Ich habe eine neue Dimension von Angst kennengelernt“, sagt Filip. „Ich wusste vorher offensichtlich nicht, was Angst ist.“

Seine größte Angst: Dass Philippa irgendwann auf die schiefe Bahn gerät. Eine Kollegin ist kürzlich an einer Überdosis gestorben. Blitzgescheit, hübsch, nett – niemand hat etwas gemerkt. Beim Begräbnis hat Filip mit der Mutter gesprochen. „Die hat gesagt: Schau, dass du ein zweites Kind kriegst. Das war für mich – heftig. Ein Tipp von einer, die sich gerade von ihrer Tochter verabschiedet.“

Er versucht, diese Gedanken nicht überhandnehmen zu lassen. „Die wenige Zeit, die ich mit meiner Kleinen habe, die möchte ich mit guten Gedanken verbringen.“

Der Boxer und die Babcia

Filips Vater war Boxer und Nationaltrainer in Polen. „Ich war von klein auf mit ihm auf Sportevents. Das habe ich in die Wiege gelegt bekommen.“ Früher hat Filip fünf, sechs Stunden pro Woche trainiert. Jetzt sind es ein, zwei. „Das ist mir wert, dass ich die Zeit mit der Kleinen genieße.“

Von seinem Vater hat er den Biss. Von seiner Mutter – der Babcia – das Warmherzige. „Dieses bedingungslose Lieben habe ich von ihr.“ Die Eltern sind in den 80ern aus Polen nach Österreich gekommen. „Ich nutze die Gelegenheit, meinen Eltern Danke zu sagen für das, was sie für mich aufgegeben haben.“

Papa

Der Moment, der alles zusammenfasst: „Sie ist auf meinen Knien gelegen, hat mich angeschaut und hat einfach ‚Papa‘ gesagt. Da sind mir die Tränen gekommen. Das ist ein Gefühl, das man nur als Elternteil haben kann.“

Am Ende die Botschaft an Philippa: „Egal, auf welche Bahn du gerätst – ich werde immer hinter dir stehen. Ich werde dich auch mit blauen Haaren lieben, ich werde dich auch mit Glatze lieben. Du bist einfach eine süße Prinzessin.“

Es geht weiter ...

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Wer macht das und warum?

Ich bin Christian Anderl. Fotograf und Vater von zwei Jungs (aktuell 12 und 5 Jahre alt).

Dieses Projekt begann, als mein ältester Sohn auf der Intensivstation lag und ich merkte: Väter sind nicht so geübt wie Mütter, wenn es darum geht sich über ihr Elterndasein auszutauschen.

Deshalb fotografiere ich Väter und spreche währenddessen mit ihnen über das, was sie bewegt. 

Die Mission: 100 Portraits für ein Buch – sortiert nach dem Alter der Kinder. Ein perfektes Geschenk für werdende Väter. Und alle, die gern über das Thema Vaterschaft reflektieren.

Keine Ratschläge. Nur Optionen und Emotionen.

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